Potenzielle Motown/Jazz-Songs gesucht

  • Ersteller Ersteller Schatti
  • Erstellt am Erstellt am
  • #41
Das ist eine ziemlich vielschichtige Diskussion, die hier stattfindet. Die Antworten reichen von "Besorg dir einen antiken Preci mit den original LaBella Flats" bis hin zu "Lerne 'in the shadows of Motown' auswendig". Beides ist ebenso richtig wie falsch, und beides beantwortet die ursprüngliche Anfrage nach beispielhaften Songs für ein nur relativ grob beschriebenes Genre nur unzureichend ... strenggenommen beantwortet der Preci-Vorschlag sie überhaupt nicht, man kann das Zeug, wenn man es richtig macht, auch auf einem Modulus Graphitbass spielen.

Ich habe mich daran erinnert, dass die "Shadows" bei mir zuhause auch noch irgendwo rumlagen und habe sie sogar gefunden. Ich hatte das vor fast 15 Jahren mal gekauft, in der Hoffnung, aus mir würde nach dem ausführlichen Studium des Buches (die Doppel-DVD dazu hatte ich schon ein paar Jahre vorher) ein zweiter James Jamerson ... weit gefehlt.

Beim Erlernen neuer Songs gibt es ja ein breites Spektrum an Herangehensweisen, von der rein technischen und musiktheoretischen Transskription am einen Ende bis hin zum instinktgesteuerten Musikantentum am anderen ... beides hat seine Berechtigung. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass die Umsetzung einer gehörten oder auch rausgeschriebenen Basslinie auf dem Instrument eigentlich erst der letzte Schritt in der Kette ist. Vorher sollte man durchaus auch theoretisch verstanden haben, was da eigentlich passiert, und das hat unglaublich viel mit musikalischer Mustererkennung zu tun:
  • In welchem Zusammenhang steht die Basslinie mit den Harmonien des Songs?
  • Wie ist das rhythmisch aufgehängt? Wo sind die Offbeats oder auch die Double Time Offbeats? Synchron mit den Drums (Mustang Sally) oder sich gegenseitig ergänzend/umspielend (For Once in my Life)?
  • Songprägend (dann sollte das so original wie möglich wiedergegeben werden ... 'I Wish' sollte nicht unter überbordender Kreativität leiden) oder eher 'nur' unterstützend (dann gibt es mehr Freiheiten)?
Wenn das alles geklärt und verstanden ist, und wenn (das ist wichtiger als man glaubt) eingesehen wurde, dass technisch evtl. schwierige Stellen genau so sein müssen, wie sie sind, dann lösen sich viele technische Schwierigkeiten viel eher auf, als wenn man sie nur als show-off-Selbstzweck interpretiert.

Beispiele dafür: die Unisonostellen in "Master Blaster (Jammin')" und "Sir Duke" von Stevie Wonder ... man kann mit offenem Mund davorstehen und von Ehrfurcht ob dieser unglaublichen Virtuosität ;-) ergriffen sein, oder man setzt sich auf den musiktheoretischen Hosenboden, stellt fest, dass das eigentlich nur Pentatoniken sind (c-moll bei Master Blaster, B(H)-Dur bei Sir Duke), dann sit die Auswahl dessen, was man auf dem Instrument daraus machen kann/soll schon mal deutlich eingeschränkter und somit einfacher.

Falls es nicht aufgefallen ist: An keinem Punkt meiner Überlegung spielt das Instrument (ob das jetzt ein altmodischer Preci, irgendein Jazzbass, ein handelsüblicher Mittelklasse-Ibanez*, ein HiFi-Graphitbass oder gar das Sousaphon ist) eine entscheidende Rolle ... hat man verstanden, was die Nummer braucht, findet sich der Rest gleich viel leichter.
 
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  • #42
Das ist eine ziemlich vielschichtige Diskussion, die hier stattfindet. Die Antworten reichen von "Besorg dir einen antiken Preci mit den original LaBella Flats" bis hin zu "Lerne 'in the shadows of Motown' auswendig". Beides ist ebenso richtig wie falsch, und beides beantwortet die ursprüngliche Anfrage nach beispielhaften Songs für ein nur relativ grob beschriebenes Genre nur unzureichend ... strenggenommen beantwortet der Preci-Vorschlag sie überhaupt nicht, man kann das Zeug, wenn man es richtig macht, auch auf einem Modulus Graphitbass spielen.

Ich habe mich daran erinnert, dass die "Shadows" bei mir zuhause auch noch irgendwo rumlagen und habe sie sogar gefunden. Ich hatte das vor fast 15 Jahren mal gekauft, in der Hoffnung, aus mir würde nach dem ausführlichen Studium des Buches (die Doppel-DVD dazu hatte ich schon ein paar Jahre vorher) ein zweiter James Jamerson ... weit gefehlt.

Beim Erlernen neuer Songs gibt es ja ein breites Spektrum an Herangehensweisen, von der rein technischen und musiktheoretischen Transskription am einen Ende bis hin zum instinktgesteuerten Musikantentum am anderen ... beides hat seine Berechtigung. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass die Umsetzung einer gehörten oder auch rausgeschriebenen Basslinie auf dem Instrument eigentlich erst der letzte Schritt in der Kette ist. Vorher sollte man durchaus auch theoretisch verstanden haben, was da eigentlich passiert, und das hat unglaublich viel mit musikalischer Mustererkennung zu tun:
  • In welchem Zusammenhang steht die Basslinie mit den Harmonien des Songs?
  • Wie ist das rhythmisch aufgehängt? Wo sind die Offbeats oder auch die Double Time Offbeats? Synchron mit den Drums (Mustang Sally) oder sich gegenseitig ergänzend/umspielend (For Once in my Life)?
  • Songprägend (dann sollte das so original wie möglich wiedergegeben werden ... 'I Wish' sollte nicht unter überbordender Kreativität leiden) oder eher 'nur' unterstützend (dann gibt es mehr Freiheiten)?
Wenn das alles geklärt und verstanden ist, und wenn (das ist wichtiger als man glaubt) eingesehen wurde, dass technisch evtl. schwierige Stellen genau so sein müssen, wie sie sind, dann lösen sich viele technische Schwierigkeiten viel eher auf, als wenn man sie nur als show-off-Selbstzweck interpretiert.

Beispiele dafür: die Unisonostellen in "Master Blaster (Jammin')" und "Sir Duke" von Stevie Wonder ... man kann mit offenem Mund davorstehen und von Ehrfurcht ob dieser unglaublichen Virtuosität ;-) ergriffen sein, oder man setzt sich auf den musiktheoretischen Hosenboden, stellt fest, dass das eigentlich nur Pentatoniken sind (c-moll bei Master Blaster, B(H)-Dur bei Sir Duke), dann sit die Auswahl dessen, was man auf dem Instrument daraus machen kann/soll schon mal deutlich eingeschränkter und somit einfacher.

Falls es nicht aufgefallen ist: An keinem Punkt meiner Überlegung spielt das Instrument (ob das jetzt ein altmodischer Preci, irgendein Jazzbass, ein handelsüblicher Mittelklasse-Ibanez, ein HiFi-Graphitbass oder gar das Sousaphon ist) eine entscheidende Rolle ... hat man verstanden, was die Nummer braucht, findet sich der Rest gleich viel leichter.

Top ! sehe ich genau so ...


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hier ein schönes Beispiel auch die Bassline von so einfacher Musik wie Surf. (Bin durch Zufall in so eine Band gekommen und war doch erstaunt wie viel es da zu entdecken gibt - Grüße an meine eigene Überheblichkeit;) )



einfach und genial ...

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Da ist schon so viel Denkstoff verarbeitet, dass wenn man das durchsteigen kann viele andere Lines sich als "logisch" herausstellen.
 
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Das ist eine ziemlich vielschichtige Diskussion, die hier stattfindet. Die Antworten reichen von "Besorg dir einen antiken Preci mit den original LaBella Flats" bis hin zu "Lerne 'in the shadows of Motown' auswendig". Beides ist ebenso richtig wie falsch, und beides beantwortet die ursprüngliche Anfrage nach beispielhaften Songs für ein nur relativ grob beschriebenes Genre nur unzureichend ... strenggenommen beantwortet der Preci-Vorschlag sie überhaupt nicht, man kann das Zeug, wenn man es richtig macht, auch auf einem Modulus Graphitbass spielen.

Ich habe mich daran erinnert, dass die "Shadows" bei mir zuhause auch noch irgendwo rumlagen und habe sie sogar gefunden. Ich hatte das vor fast 15 Jahren mal gekauft, in der Hoffnung, aus mir würde nach dem ausführlichen Studium des Buches (die Doppel-DVD dazu hatte ich schon ein paar Jahre vorher) ein zweiter James Jamerson ... weit gefehlt.

Beim Erlernen neuer Songs gibt es ja ein breites Spektrum an Herangehensweisen, von der rein technischen und musiktheoretischen Transskription am einen Ende bis hin zum instinktgesteuerten Musikantentum am anderen ... beides hat seine Berechtigung. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass die Umsetzung einer gehörten oder auch rausgeschriebenen Basslinie auf dem Instrument eigentlich erst der letzte Schritt in der Kette ist. Vorher sollte man durchaus auch theoretisch verstanden haben, was da eigentlich passiert, und das hat unglaublich viel mit musikalischer Mustererkennung zu tun:
  • In welchem Zusammenhang steht die Basslinie mit den Harmonien des Songs?
  • Wie ist das rhythmisch aufgehängt? Wo sind die Offbeats oder auch die Double Time Offbeats? Synchron mit den Drums (Mustang Sally) oder sich gegenseitig ergänzend/umspielend (For Once in my Life)?
  • Songprägend (dann sollte das so original wie möglich wiedergegeben werden ... 'I Wish' sollte nicht unter überbordender Kreativität leiden) oder eher 'nur' unterstützend (dann gibt es mehr Freiheiten)?
Wenn das alles geklärt und verstanden ist, und wenn (das ist wichtiger als man glaubt) eingesehen wurde, dass technisch evtl. schwierige Stellen genau so sein müssen, wie sie sind, dann lösen sich viele technische Schwierigkeiten viel eher auf, als wenn man sie nur als show-off-Selbstzweck interpretiert.

Beispiele dafür: die Unisonostellen in "Master Blaster (Jammin')" und "Sir Duke" von Stevie Wonder ... man kann mit offenem Mund davorstehen und von Ehrfurcht ob dieser unglaublichen Virtuosität ;-) ergriffen sein, oder man setzt sich auf den musiktheoretischen Hosenboden, stellt fest, dass das eigentlich nur Pentatoniken sind (c-moll bei Master Blaster, B(H)-Dur bei Sir Duke), dann sit die Auswahl dessen, was man auf dem Instrument daraus machen kann/soll schon mal deutlich eingeschränkter und somit einfacher.

Falls es nicht aufgefallen ist: An keinem Punkt meiner Überlegung spielt das Instrument (ob das jetzt ein altmodischer Preci, irgendein Jazzbass, ein handelsüblicher Mittelklasse-Ibanez, ein HiFi-Graphitbass oder gar das Sousaphon ist) eine entscheidende Rolle ... hat man verstanden, was die Nummer braucht, findet sich der Rest gleich viel leichter.
Danke für deinen Input den ich sehr unterstützen kann.

Ein Aspekt noch:
Jamerson kommt aus dem Jazz und vom Kontrabass. Er hat viel improvisiert bei den Aufnahmen, nach Leadsheet gespielt (es war kaum was ausnotiert) und eine unglaubliche Menge an chromatischen / bzw. dissonanten Durchgangstönen eingebaut. For once in my life ist hier auch ein gutes Beispiel. Das finde ich so faszinierend an seinem Stil. Durch die Chromatik erhält man mehr Reibung, mehr Bewegung, es ist teilweise echt krass wenn er ein C# und ein D# in C-Dur unterbringt. Aber es ist genau dieses Salz in der Suppe welches seine Lines so lebendig macht. Das Ohr hört halt mehr in Musterstrukturen und sein Spiel hat dadurch in vielen Songs (nicht allen natürlich) eine sehr individuelle und mutige Note.
Er hat diese Durchgangstöne aus dem Walking-Bass Kontext heraus gelöst und in das melodiöse E-Bass Spiel integriert. Man muss ja rezeptionsgeschichtlich noch bedenken, dass der E-Bass zu der Zeit noch ein sehr junges Instrument war und ich finde vor diesem Hintergrund hat er sich seinen ganz eigenen Ast auf dem Baum der E-Bass Entwicklung redlich verdient.
 
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improvisiert bei den Aufnahmen, nach Leadsheet gespielt (es war kaum was ausnotiert) und eine unglaubliche Menge an chromatischen / bzw. dissonanten Durchgangstönen eingebaut.

wie es geht ist in dem Video oben kleinschrittig erklärt _ Harmoniebackground mal vorausgesetzt ist der Rest dann Orientierung auf dm Griffbrett. (Normalerweise gibt es Im Akkord auch nur 2 avoid-Töne - die wahrscheinlich keit ist also 2 zu 10, dass es wirklcih richtig daneben haut;) )

UND

was im Video eher untergeht ist der Witz bei Jamerson Jazz Motown und allen anderen walkingbasslines das wir wir Bläser Artikulation nennen. Die Jazzer in der Uni verbringen damit ja einen Hauptbestandteil ihres Studiums Bläserartikulation auf Gitarre etc. zu übertragen. Wie man das bei Bass nennt weiß ich allerdings nicht.

Die Basslinien von Jamerson funktionieren nur deshalb so gut, weil er diese eben auch so spielt - da steigt man aber dann auch etwas tiefer in die Jazzharmonik ein und das Thema ist dann eher wie und wann welche Töne langings, passings oder avoids sind und wann diese zu spielen sind (immer mit der Ausnahme von der Regel - Sikora lesen hilft ungemein) Wenn man das Prinzip verstanden hat, dann kann man wlkingbasslines über das gesamte Griffbrett üben.

Zum Solo ist es dann nicht mehr weit, wie im Video ja auch sehr gut angeführt wird. Das Video kann jetzt in 4h nicht alles abdecken aber danach weiß man zumindest was man zu üben hat und wo bzw. wozu man sich weitere Übungen/Lektüre etc. zu besorgen hat.
 
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