Das ist durchaus traditionelle irische bzw iro-amerikanische (Volks-)Tanzmusik, wie sie schon seit Jahrhunderten gespielt wurde, und auch neuerdings wieder öfters gespielt und getanzt wird. Auch die Instrumentenbesetzung und die Kleidung paßt da dazu. Zur Zeit der Titanic war das in den unteren Gesellschaftsklassen allgemein üblich (mit Ausname der jungen Dame, die von Kate Winslet gespielt wurde). Und heute ist das auch noch häufig die Bühnenkleidung von solchen Kapellen.
Bei den Stücken in dem Filmausschnitt im 6/8-Takt (oder vlt auch 12/8 ) handelt es sich um eine Jig (von frz. Gigue), wie sie auch heute noch sehr häufig gespielt und getanzt wird. Ein anderer sehr weit verbreiteter Tanz ist der Reel, im 4/4-Takt und meist sehr schnell. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere traditionelle Tänze, wie z.B. Hornpipe, Polka, Schottisch, Walzer, Setdance und etliche andere.
Diese Tänze und die entsprechende Musik kommen allesamt auch häufig vor in Schottland (Highland Dance), England, USA (oft in Verbindung mit Bluegrass), Kanada (Kap Breton), und Australien (vgl auch "Dornenvögel") - eben überall in der Welt, wohin es viele irische und britische Auswanderer verschlagen hat.
Hier ein neuzeitliches Beispiel:
Der spezifisch amerikanische Steptanz fand hauptsächlich am Broadway statt und breitete sich von dort auch aus nach Hollywood. Ein weiterer neuzeitlicher kommerzieller Ableger sind solche großen und streng choreografierten Schautanzveranstaltungen mit vielen Tänzern und Tänzerinnen wie z.B. die bekannten "Riverdance"-Schauen. Bei letzteren spielten übrigens sehr oft auch bekannte irische Musikanten mit wie z.B. die Geigerin Máire Breatnach u.v.a. Es handelt sich hierbei um eine Kreuzung von Broadway und traditionellem irischem Volkstanz, nur eben aufgeblasen auf kommerziell verwertbares Großbühnenformat.
Der schlichte Volkstanz, wie in dem Filmausschnitt aus Titanic gezeigt, wird auch heute wieder vermehrt bei kleinern Musikveranstaltungen, in Gaststätten, bei Sessions, auf Folklorefestivals und beim Bal Folk getanzt - manchmal mit, aber meist ohne Tracht.
Über die Entstehung schau hier:
de.wikipedia.org
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Eine weitere Spielart traditioneller und gegenwärtiger irischer Volksmusik sind dann noch die Balladen, "Rebellenlieder" (politische Kampflieder, republikanisch, antibritisch, oft mit Bezug zur IRA), sowie die bekannten und berüchtigten Sauflieder und Gassenhauer, wie sie u.a. auch von den Dubliners weltweit bekannt gemacht wurden.
Letztere haben dann meistens auch zahlreich Eingang gefunden in das Repertoire vieler nicht-irischer Kapellen, die sich mehr oder weniger auf irische Volksmusik beziehen. Auch in der internationalen englischsprachigen Rock- und Punkmusik haben sie Verbreitung gefunden, wie z.B. Pogues, Tin Lizzy, Dropkick Murphy, oder auch Santiano u.ä. Die bekanntesten dieser Lieder gehören heute schon zum Standardrepertoire der Kneipen- und Fetenmusik in ganz Europa einschließlich Rußland.
Weiterhin noch erwähnenswert wäre Turlough O'Carolan, ein blinder Harfenspieler und Komponist aus dem Barock. Obwohl das ursprünglich Unterhaltungsmusik für den irischen Landadel war, wird dessen Repertoire noch bis heute auch in der irischen (und schottischen) Volksmusik gepflegt. Damit ist es praktisch auch ein Teil der Volksmusik geworden.
Das wird heute auch mit anderen Instrumenten gespielt, und nicht nur mit Harfe - welche übrigend
das irische Volksmusikinstrument ist, und sich auch in verschiedenen geschichtlichen und gegenwärtigen Varianten des irischen Staatswappens wiederfindet.
Von Ted Furey's wunderbarer Version auf der Geige kann ich gerade leider kein Video finden.
Hier geht es zu den Noten seines Gesamtwerks, zusammengestellt und transponiert von
http://www.oldmusicproject.com/occ/tunes.html
(Die Originalkompositionen waren zumeist eher in Eb oder Bb o.ä. gesetzt)
und von mir in eine druckfähige PDF gebracht:
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