Kann man so sehen, Bassisten haben da wohl auch weniger Probleme als Gitarristen, da es wirklich sehr gut klingende Transistor-Bassamps gibt.
Bei Gitarristen sieht das m. E. anders aus, weil die Röhren, das Netzteil und der Ausgangstrafo stark soundformend sind und ihr Sound zwar in gewissem Umfang mit moderner Digitaltechnik, nicht aber mit Transistoramps nachformbar ist. Und ich denke, dass ein guter Gitarrenamp mit guten Lautsprechern immer noch besser klingt als eine Digitalemulation.
Guter Punkt, weil die die von dir angesprochenen Klang beeinflussenden Komponenten in der "Fachwelt" nach wie vor als solche diskutiert werden.
Wenn du dich noch erinnerst, ich hab damals als du mit deinem Werkstatt-Faden begonnen hast gleichzeitig damit begonnen meinen 70er SVT im LT-Spice nachzubauen. Je länger dein Werkstattfaden ging, desto mehr kleine "Details" und Feinheiten kamen bei meinem SVT LT-Spice Verstärker hinzu, um ein möglichst realitätsnahes Modell des SVT abbilden zu können.
Dazu gehörten unter anderem z.B. Sag des Netzteils, Eisensättigung des Ausgangsübertragers und lastabhängige Arbeitspunktverschiebung der Preamp bzw. Treiberröhren bei hoher Ausgangsleistung und und und...
Lange Rede kurzer Sinn, der LT-Spice SVT Modelling Amp verhält sich nahezu originalgetreu gleich, so wie ich das von meinem SVT in Natura auch kenne, wenn ich den auf dem Meßplatz habe.
Das für mich überraschende war allerdings, obwohl der LT-Spice SVT die gleichen "Eigenarten" zeigt wie der reale Verstärker auch, es hat klanglich eher nur wenig Einfluß. Auf jeden Fall deutlich weniger als ich damals selbst annahm, und damit auch deutlich weniger als solche "Artefakte" in der Fachwelt diskutiert und bewertet werden.
Die Frage ist und war natürlich, wo liegt der Fehler, weil im realen der SVT ja trotzdem einen typischen Röhrensound hat, nur eben nicht im Modell, obwohl es sich identisch verhält!
Der Fehler war, am rein ohmschen Widerstand betrieben sind die Artefakte zwar sichtbar und auch meßbar (THD), sie haben aber klangtechnisch nur wenig Relevanz, wenn ein Soundfile am rein ohmschen Widerstand betrieben drüber läuft!
Echter Röhrensound, so wie man ihn als solchen kennt, kommt tatsächlich erst auf, und nur dann, wenn die ganze Kiste an frequenzabhängiger reaktiver Last, sprich einer Box, betrieben wird. Und das ist eindeutig nachweisbar, Denn, betreibt man den LT-Spice SVT an der schaltungstechnischen Nachbildung einer realen Box, dann ist er plötzlich da, der Röhrensound so wie man ihn kennt, und natürlich auch erwartet.
Das hat mich damals schon alles arg stutzig gemacht. Die Fachwelt diskutiert Artefakte und bewertet deren klangliche Auswirkungen die aber so in der Realität allenfalls nur wenig bis vernachlässigbare Wirkung haben. Und ich nehme mich da auch gar nicht aus, weil ich bis dahin ähnlich dachte, sehr ähnlich argumentiert habe in solchen Diskussionen.
Man kann auch nachweisen, dass der SVT an der SVT-810er nicht nur wegen der Box anders klingt, sondern auch "innen drin" schon hörbar anders klingt, wenn er an einer geschlossenen Box spielt.
Auf der Bühne habe ich den SVT immer mit Speaker-Level DI an seinen Ausgangsklemmen abgenommen, weil mir der Klang so am besten gefallen hat der an den FOH ging. Das LT-spice Modell hat mir aufgezeigt, warum dem so ist!
Mein Plan war damals, hier auf Bassic einen Faden mit dem LT-Spice SVT aufzumachen. Idee war es, einzelne bekannte Artefakte wie eben z.B. Netzteil Sag und AÜ-Trafosättigung und THD und die antiparallelen Dioden und vieles vieles andere mehr quasi "meßtechnisch" darzustellen und die klangliche Wirkung (oder Nichtwirkung) anhand von Soundfiles zur Diskussion bereitzustellen, daneben das reale Verhalten an unterschiedlichen Boxen bzw. unterschiedlichen Impedanzgängen usw.
Der Faden wäre sicherlich ellenlang geworden, könnte vielleicht heute noch existieren und am Leben sein, es wurde aber (leider) nichts mehr draus. Der Grund waren die (persönlichen) Erfahrungswerte im leidigen Tonholzfaden. Mir gingen die ständigen Kniefieseleien und "kleinbürgerlich" anmutenden Kritiken hinsichtlich wissenschaftlich fundierter Herangehensweise (Zollner) irgendwann derart auf den Keks dass ich mir schlußendlich dachte, nein, ganz bestimmt nicht, so etwas absurdes an "Pseudodiskussion" muß ich mir selbst mit Sicherheit hier auf Bassic dann nicht auch noch antun wollen, mit einem LT-Spice SVT Faden!
Der Faden hätte durchaus arge Sprengkraft gehabt, weil er vergleichbar dem Zollner beim Tonholz hier ebenfalls vieles an geglaubter und althergebrachter "Erkenntnis und Wissen" zu Röhren und Röhrenamps grundsätzlich in Frage gestellt hätte!