Jetzt haben mir Rickenbacker-Liebhaber aber richtig den Kopf gewaschen.
Und natürlich habt ihr auch Recht. Wenn ich den Rick auspacke, freue ich mich immer. Ich habe ihn auch viel gespielt, für alle Stilrichtungen, und es geht und es klingt.
"Das-sich-Einlassen" auf ein Instrument, wovon Oli Wan schreibt, ist bestimmt neben dem Material, das man in Händen hat, das Wichtigste. Ich verstehe mich auch bisweilen als Diener des Basses, den ich in den Händen halte. Er versucht mir schon zu sagen, was in ihm steckt und was ich herausholen soll. Manche sagen mehr, manche sagen weniger. Und dann komme ich noch als Banause hinzu, der verstehen und spüren muss, was er mir sagen kann und will. Das gelingt auch mal mehr, mal weniger, und manchmal merke ich das gar nicht. Wir sind halt gefühllose, ignorante Banausen. Ich habe immer schöne Erlebnisse, wenn andere auf meinen Bässen spielen, die aber in beide Richtungen gehen. Da kommt bei manchen sehr wenig oder nichts Gutes raus, bei anderen bin ich sehr positiv überrascht, wie anders und trotzdem gut, vielleicht besser, einer meiner Bässe bei anderen klingt. Das hat nichts mit dem "Preis" eines Basses zu tun, das habe ich bei allen erfahren.
Zm Rick: Wenn ich einen Rick auf einer Bühne sehe und höre, widme ich dem Bass viel mehr Aufmerksamkeit. Und er hat auch etwas charaktervolles Einzigartiges.
Und der Firma Rickenbacker sei größtes Lob ausgesprochen. Unbeirrbar, trotz aller Modeschwankungen bauen sie ihren Klassiker, der an Charakterstärke kaum übertroffen werden kann.
Bei der nächsten Probe werde ich ihn wieder dabei haben. Deshalb auch danke für die Kopfwäsche.
Zum meinem Rickenbacker: Ich habe einen Limited Edition Chris Squire, gebaut 1996.
Und der hat den Horse-Shoe-Pick-Up, freilich am Steg. Bei dem geht der Bügel um den Pick-Up herum, ist also nicht abschraubbar wie anderen Modellen. Da komme ich halt in Konflikt mit meinen Spieltechniken. Ich wechsel sehr gern und eigentlich auch auch ständig vom Fingerpicking, über Slaptöne bis zu mit dem Handballen abgedämpften, aber druckvoll wie mit Plektrum angeschlagen Tönen. Dafür kriege ich die Hand zwischen HorseShoe und Steg nicht unter.
Ob man übrigens einen Rick, eine Preci oder einen Jazzbass als Edelbass einstufen soll, sei dahingestellt. Es sind halt die Klassiker, die sich gehalten haben, und alle drei mit Berechtigung.
Bei den Fenderbässen gab es im Lauf der Geschichte kleine Variationen und zeitweise auch Qualitätsschwankungen. Heute deckt
Fender* mit den verschiedenen Fertigungländern und noch dazu mit Squire ein sehr breites Preisspektrum ab. Zudem werden Preci und Jazzbass von zig Firmen von hervoragender (z.B. Sandberg) bis schlechtester Qualität kopiert.
Im Bereich der Edelbässe, wie sie zu Beginn der Frage gemeint waren, gibt es die verschiedensten Irrungen und Wirrungen und auch sehr Gutes. Preislich ist vermutlich der Bereich ab ca. 2000 € gemeint.
Und wem das Geld nicht zu viel ist, und wer da "seinen" Bass findet, der ihn anspricht, der ihn herausfordert von ihm gespielt zu werden, der sollte ihn sofort kaufen, bevor er weg ist. Der Bass hat hat dann für diesen Bassisten auf jeden Fall seine Berechtigung.